Warum mir queere Trauungen so am Herzen liegen
Ich finde, die Liebe hat schon genug damit zu tun, zwei Menschen zusammenzubringen.
Da muss sie sich nicht auch noch dafür rechtfertigen, wen sie sich ausgesucht hat.
Und trotzdem ist es auch heute für viele queere Menschen nicht selbstverständlich, ihre Liebe überall offen und unbeschwert leben zu können.
Manche haben lange gebraucht, um zu sich selbst zu stehen. Andere mussten Vorurteile überwinden, um Anerkennung kämpfen oder erleben, dass ihre Beziehung von anderen weniger ernst genommen wurde.
Umso schöner finde ich es, wenn zwei Menschen irgendwann voreinanderstehen und voller Stolz sagen können:
Das sind wir. Das ist unsere Liebe. Und heute feiern wir sie!
Für mich ist die Ehe für alle deshalb viel mehr als eine gesetzliche Regelung. Sie steht für Selbstbestimmung, Anerkennung und die wunderbare Möglichkeit, dem Menschen, den man liebt, ganz offiziell das Ja-Wort zu geben.
Und bei einer freien Trauung darf daraus etwas entstehen, das noch viel persönlicher ist.
Eine Zeremonie, in der es keine vorgeschriebenen Rollen gibt. Niemand muss die Braut sein, niemand den Bräutigam spielen. Niemand muss sich nach Traditionen richten, die sich für das eigene Leben überhaupt nicht richtig anfühlen.
Ihr dürft gemeinsam entscheiden, wie ihr einzieht, welche Worte gesprochen werden, welche Rituale euch verbinden und wer euch an diesem besonderen Tag begleitet.
Und falls ihr beide lieber gleichzeitig einziehen möchtet, weil keiner von euch Lust hat, minutenlang auf den anderen zu warten – auch das lässt sich ganz wunderbar machen.
Wenn aus einer Trauung eine Herzensbegegnung wird
Eine besonders schöne Erinnerung verbinde ich mit André und Philipp, deren freie Trauung ich begleiten durfte.
Schon bei der Vorbereitung habe ich erlebt, wie viel Persönlichkeit, Herzlichkeit und Lebensfreude in ihrer Geschichte steckt.
Ihre Trauung war für mich nicht einfach ein weiterer Termin in meinem Kalender.
Sie war eine dieser Begegnungen, bei denen ich zwischendurch das Gefühl hatte, zwei Freunde an einem ganz besonderen Tag begleiten zu dürfen.
Es wurde gelacht, mitgefiebert und es gab diese berührenden Augenblicke, die man zwar mit Worten beschreiben kann, die sich aber vor allem im Herzen festsetzen.
Und genau solche Momente erinnern mich immer wieder daran, warum ich meine Arbeit so liebe.
Weil jede Liebesgeschichte ihren eigenen Klang hat.
Weil hinter jedem Paar zwei Menschen stehen, die gemeinsam etwas aufgebaut, erlebt und miteinander geteilt haben.
Und weil ich es wunderschön finde, diesen Geschichten eine Stimme zu geben.
Eure Geschichte braucht keine Erklärung. Sie verdient eine Feier.
Wenn ihr euch eine freie Trauung wünscht, sollt ihr bei mir vor allem eines spüren: Ihr seid willkommen.
Mit euren Wünschen, eurer Geschichte, euren Herzensmenschen und allem, was euch ausmacht.
Ich höre zu, frage nach, lache mit euch und nehme mir Zeit für all die kleinen Details, die später eure persönliche Traurede so lebendig machen.
Denn ich möchte keine Zeremonie gestalten, die einfach nur schön klingt.
Ich möchte, dass ihr euch darin wiedererkennt.
Dass ihr euch anschaut, schmunzelt und denkt: Ja, genau so sind wir!
Und dass ihr am Ende mit einem Herzen voller Erinnerungen auf diesen Tag zurückblickt.
Denn Liebe ist nicht deshalb besonders, weil sie anders ist. Sondern weil jede Liebesgeschichte auf ihre ganz eigene Weise einzigartig ist. ❤️